Aktionstag „Flucht“

 

Flucht und das Ankommen in Dessau-Roßlau – ein Aktionstag

Der 29.06.2015 stand in Dessau-Roßlau ganz im Thema von Flucht und der Willkommenskultur in Sachsen-Anhalt. Zunächst wurde im Liborius Gymnasium die Ausstellung „Geflüchtet“ eröffnet. Diese beinhaltet verschiedene Fotografien und informiert über die Situation von Flüchtlingen in den Unterkünften in Sachsen-Anhalt. Die Ausstellung wird noch bis zum 09.07.2015 für die Öffentlichkeit, immer zu den Öffnungszeiten des Gymnasiums von 8.00 – 15.00 Uhr zugängig sein.

Weiterhin stand am Aktionstag der „missio“-Infotruck auf dem Gelände der Schule. In diesem konnten sich SchülerInnen des Gymnasiums und interessierte BürgerInnen über die Ausnahmesituation Flucht informieren. Am Beispiel von Bürgerkriegsflüchtlingen im Ostkongo wurden die BesucherInnen durch die multimediale Ausstellung geführt. Die SchülerInnen suchten sich ein Einzelschicksal aus und erfuhren mithilfe von Video- und Hörspielsequenzen, wie die Flucht dieser Person verläuft. Dabei mussten sie selbstständige Entscheidungen treffen, um das Schicksal des Flüchtlings zu beeinflussen. Der Truck war über die ganze Zeit stark frequentiert. BesucherInnen kamen am Ende mit vielen Eindrücken wieder heraus und blieben oft noch vor dem Truck für Diskussionen zusammen.

Zum Abend hin folgte eine Podiumsdiskussion über die Willkommenskultur in Dessau-Roßlau. Hierbei hat sich besonders herausgestellt, dass sie Situation vor Ort eine besondere ist, da die Asylsuchenden in dezentralen Unterkünften untergebracht werden. Problematisch daran ist allerdings, dass die BürgerInnen, die helfen möchten, keine direkte Anlaufstelle haben, um mit den Betroffenen in Kontakt zu kommen. Annegret Friedrich Berenbruch, Kreisoberpfarrerin im Kirchenkreis Dessau, meinte dazu: „Wir sitzen in den Startlöchern und wollen helfen. Es müssen professionelle Brücken gebaut werden, da keine Kontakte zu Asylsuchenden vorhanden sind. Die Frage, wie wir die Willkommenskultur in Dessau besser gestalten können, treibt uns um.“ Michel Abou Rjeily war früher selbst auf der Flucht und arbeitet jetzt als Streetworker bei der St. Johannis GmbH in Dessau-Roßlau. Für ihn steht fest, dass viele Flüchtlinge ihr Leben verbessern wollen. „Das Lernen der Sprache und die Möglichkeit auf Arbeit sind dabei das Wichtigste. Andernfalls verbessert sich die Situation der Betroffenen nicht“. Heike Paesold, Leiterin des Sozialamtes in Dessau-Roßlau, beschrieb viele Angebote von der Lernförderung für Kinder bis hin zu niederschwelligen Deutschkursen und die Intensivität der Betreuung durch das Amt. So sprach sie zum Beispiel von vielen Hausgemeinschaften, in denen die Asylsuchenden integriert wurden und in denen ganz natürlich Unterstützung angeboten wird. Allerdings sprach sie auch davon, dass „wir nicht alle Angebote verordnen können. Manche Hilfe muss sich auch entwickeln.“ Insgesamt war die Diskussion, auch und im Besonderen mit dem sehr interessierten Publikum, ein großer Erfolg, da BürgerInnen die helfen wollen, aber keinen Anhaltspunkt finden konnten, mit denen, die Kontakt zu den Asylsuchenden haben und Hilfe benötigen, zusammengefunden haben.

Gesammelt mit den Diskussionsgästen ging es anschließend in die schon sehr gut besuchte Katholische Propsteikirche St. Peter & Paul. Insgesamt rund 100 BesucherInnen verfolgten ergriffen ein Requiem für die Ertrunkenen an den EU-Außengrenzen. Es wurde von Dr. Assion Lawson vom Büro für Interkulturelle Projekte in Stendal geschrieben, um die Seelen der Ertrunkenen in die ewige Ruhe zu begleiten. Die Messe soll Nord und Süd zusammenbringen, Grenzen überwinden und das Verbindende zwischen den Welten offen legen.

Der Tag war ein großer Erfolg. So konnten Helfer mit Hilfesuchenden zusammengebracht, verschiedenste Altersgruppen auf unterschiedlichste Weise informiert und für die Probleme der Geflüchteten sensibilisiert werden.

Wir danken an dieser Stelle dem Liborius-Gymnasium und der Katholischen Propstei sowie dem Bistum Magdeburg für die tolle Unterstützung und Zusammenarbeit.

Bericht der Mitteldeutschen Zeitung zum Aktionstag „Flucht“:
http://www.mz-web.de/dessau-rosslau/aktionstag-am-liborius-gymnasium-in-dessau-entscheidung-in-sekunden-im-missio-truck,20640938,31073384.html