Blog: Wirtschaft trifft Entwicklung

Wie ein Wittenberger Unternehmen Geschäfte in Ruanda macht

Im Sommer 2016 titelte die Mitteldeutsche Zeitung: „Wittenberger Unternehmen liefert weltgrößten dezentralen Energiespeicher.“ So bemerkenswert es sein mag, dass ein Unternehmen aus Wittenberg eine solche Leistung vollbringt, mindestens genauso beeindruckend ist der Zweck des Speichers. Er sichert die Nahrungsmittelversorgung von 2000 Kleinbauern und ihren Familien in Ruanda.

Ruanda ist ein kleines, sehr dicht besiedeltes Land in Ost-Afrika. Die dichte Besiedlung führt zu Problemen mit der Lebensmittelversorgung, welche durch zunehmende Erosion der Böden verschärft werden. Besonders problematisch ist die Lage im Osten des Landes, wo häufige Dürren die Landwirtschaft zu einem Glücksspiel werden lassen. Insbesondere für Kleinbauern, die auch in guten Jahren kaum Überschüsse produzieren, bedeutet dies ein existenzielles Risiko.

Als Gegenmaßnahme errichtete die Howard G. Buffett Foundation eine Bewässerungsanlage, um die Abhängigkeit von Regen zu verringern und somit die Nahrungsmittelversorgung zu verbessern.

Der nötige Strom für die Bewässerung wird mit Hilfe eines Solarkraftwerks erzeugt. Da Bewässerung – wie der erfahrene Hobby-Gärtner weiß – morgens oder abends erfolgen muss, wenn die Sonne nicht stark genug scheint, um die Pumpen zu betreiben, wird der Strom in der bereits angesprochenen Batterieanlage aus Wittenberg zwischengespeichert.

Aber warum kommen die Batterien für Ruanda aus Wittenberg?

Die Antwort ist einfach: Es gibt nur sehr wenige Speichersysteme, welche die hohen technischen Anforderungen erfüllen – hohe Kapazitäten, schnelles Laden und vor allem die Fähigkeit schnell zwischen Laden und Entladen zu wechseln sind essenziell, um auf die häufigen Stromausfälle zu reagieren. Außerdem soll das Speichersystem natürlich so günstig wie möglich und gleichzeitig sehr langlebig sein. Die Wittenberger Firma Tesvolt hat eines davon und erhielt den Zuschlag

Dass bereits jetzt, im Frühjahr 2018 die Wirkung des Projekts einem Stresstest unterzogen wird, damit haben wohl die wenigsten gerechnet. Der Osten Ruandas leidet unter einer der schlimmsten Dürren seit Jahren, und es zeigt sich, dass die Bauern, die am Bewässerungsprojekt beteiligt sind, deutlich weniger Probleme haben, als die anderen. Aber, auch die von der Dürre schwer getroffenen Bauern profitieren von den Bewässerungsanlagen der Nachbarn, denn durch die geringere Zahl der Hilfsbedürftigen, ist die ruandische Regierung in der Lage die Versorgung ohne ausländische Hilfen sicherzustellen.

Dass Ruanda diese Fähigkeit hat, zeigt einmal mehr, wie weit das Land in den letzten Jahren gekommen ist. Das Land ist den meisten Deutschen immer noch vor allem durch den Völkermord an den Tutsi 1994 ein Begriff. Dass inzwischen 61% der ruandischen Parlamentsabgeordneten Frauen sind (in Deutschland sind es 31%), weiß kaum jemand. Auch, dass Ruanda schon vor 14 Jahren Plastiktüten verboten hat, ist eher unbekannt. Und nun kommt – mit Hilfe aus Wittenberg – ein weiterer Superlativ hinzu: der größte dezentrale Energiespeicher der Welt.

Eines muss hier allerdings deutlich gesagt werden: Dies ist keine Mildtätigkeit der Wittenberger, das ist Geschäft. Aber das ist genau, was Afrika braucht: Das ehrliche Interesse von Unternehmen auf Augenhöhe zu Handeln.