Weihnachtsgeschenke versus Nachhaltigkeit?

Ein Beitrag von Laura Link vom Weblog „Unser grüner Planet“

Alle Jahre wieder ist es im November/Dezember soweit, die Suche nach passenden Weihnachtsgeschenken beginnt. Die Kaufhäuser und Onlineshops machen in dieser Zeit wahrscheinlich den besten Umsatz des Jahres. Werbungen strotzen förmlich vor Geschenkideen, die das Leben der Beschenkten komplettieren sollen. Doch gerade in Zeiten, in denen die Themen Nachhaltigkeit, Klimawandel und globale Erwärmung immer präsenter im Alltagsleben vieler Personen auftauchen, muss gerade das Konsumverhalten unter die Lupe genommen werden.

Weniger und besser zu konsumieren, hat nämlich erhebliche Auswirkungen auf den Ressourcen- und Energieverbrauch. Wenn jetzt aber alle minimalistisch und konsumkritischer leben sollen, sind Weihnachtsgeschenke dann überhaupt noch angebracht? Die Autorin Laura Link vom Weblog „Unser grüner Planet“ hat ihre Gedanken zur Vereinbarkeit von Weihnachtskonsumwahnsinn und Nachhaltigkeit aufgeschrieben und ein paar Tipps zu nachhaltigeren Weihnachtsgeschenken zusammengetragen.

Der Weltladen in Halle (Saale) ist eine gute Anlaufstelle für alle, die nach einem nachhaltigen und fairen Weihnachtsgeschenk suchen.
(Quelle: Laura Link, Unser grüner Planet)

 

Vor drei Jahren habe ich mich auf die Reise der Nachhaltigkeit begeben. In dieser Zeit habe ich schon einige meiner Routinen und Gewohnheiten umgestaltet. Mein Kleiderschrank ist nun deutlich minimalistischer, meine Pflege- und Kosmetikprodukte ohne Mikroplastik und verpackungsfrei und meine Ernährung habe ich zum größten Teil auf rein pflanzliche Lebensmittel eingeschränkt.

Das ganze Jahr über versuche ich kein Konsumopfer zu sein. Ich kann vermeintlichen Angeboten widerstehen und auch am Black Friday blieb mein Konto unberührt. Aber dann kommt die Weihnachtszeit und die Geschenkesuche. Nun gibt es Menschen, die freiwillig auf Geschenke verzichten. Zu denen gehört meine Familie definitiv nicht. An Weihnachten gibt es Geschenke, das macht man eben so! Und während ich mich noch frage, wer eigentlich dieser man ist, von dem immer alle reden, stehe ich selbst schon wieder mit dem gezückten Geldbeutel in einem Konsumtempel und überlege, was ich nur diesmal alles wieder für Leute, die nichts brauchen, kaufen soll.

Dabei habe ich mir dieses Jahr geschworen, dass alle meine Geschenke ökologisch und moralisch vertretbar sind. So viel schon vorweg, es ist mir nur so fast gelungen. Um euch, liebe Lesende, davor zu bewahren, euer Geld für moralisch fragliche Konsumgüter aus dem Fenster zu werfen, habe ich euch einige Tipps zusammengetragen, die eine nachhaltigere Alternative darstellen und am Weihnachtsabend trotzdem für strahlende Augen sorgen.

 

5 Tipps, wie du deine Weihnachtsgeschenke möglichst nachhaltig gestalten kannst

  1. Schenke immaterielle Dinge. Auch wenn dieser Tipp nicht neu ist, wird er trotzdem seltener umgesetzt. Wieso eigentlich? Weil es schwieriger ist als gedacht und meiner Meinung nach auch deutlich intimer. Sicherlich ist das bei dem kleinen Geschenk für den Chef eher schwieriger als für gute Freunde oder die Familie. Ich freue mich jedoch immer riesig, wenn ich einfach nur Zeit mit meinen Freunden oder meinem Partner geschenkt bekomme. Hier zwei Ideen, die mir dazu spontan einfallen: Einen Crashkurs in Sachen Bedienung einer Spiegelreflexkamera (Den hätte ich sehr nötig!) oder ein Gutschein darüber, dass sich gegenseitig ein Buch vorgelesen wird (Ich heirate die erste Person, die mir das jemals schenken sollte, auf der Stelle!).
  2. Schenke gebrauchte Dinge. Darüber bin ich vor kurzem mit einem Bekannten in eine Diskussion gekommen. Ich bin der festen Überzeugung, dass es bei einem Geschenk nicht auf den Preis, der dafür bezahlt wurde, ankommen darf. Ich finde es gibt nichts Schlimmeres als das Gegenrechnen der Summen, die hinter den getauschten Geschenken stehen. Es kommt für mich auf die Freude an, die mir ein Geschenk macht, und nicht auf den Preis und da ist mir auch herzlich egal, ob ich dafür mehr Geld ausgegeben habe als mein Gegenüber. Wenn ich mir ein Buch wünsche, dann bin ich doch an seinem Inhalt interessiert und dieser verändert sich nicht, nur weil die Person ein neues Exemplar gekauft oder eben ein paar Euro und Ressourcen gespart hat und dieses gebraucht kaufte. Es ist möglich nahezu alles gebraucht zu kaufen, nutzt diese Chance!
  3. Selbermachen. Hier ist natürlich Vorsicht zu genießen. Nicht alles, was wir selbst herstellen können, ist auch wirklich nachhaltig und seien wir ehrlich, nicht alles, das ich mit meinen eigenen Händen schaffe, ist so schön, dass sich die beschenkte Person wirklich darüber freut. Trotzdem greife ich gern auf Geschenke zurück, die ich selbst hergestellt habe. Selbstgemachte Dinge, die ich dieses Jahr verschenke: Selbstgezogene Pflanzenableger in kleinen süßen Töpfchen, Bienenwachstücher, einen genähten Leseknochen (Eine besonders tolle Art eines Nackenkissens, mein Partner klaut mir immer meines. Jetzt bekommt er ein eigenes.) und selbstgebackenes veganes Magenbrot.
  4. Schenke fair und bio. Wenn neue Dinge verschenkt werden, dann ist es mir persönlich wichtig, dass diese unter fairen und ökologisch vertretbaren Bedingungen hergestellt wurden. Eine gute Anlaufstelle dafür sind Biomärkte, Unverpackt- oder Weltläden, aber auch online gibt es viele verschiedene Onlineshops, die derartige Produkte anbieten.
  5. Mach dir Gedanken. Für einige wird das jetzt vermutlich überraschend kommen, aber Weihnachten ist jedes Jahr am 24. Dezember. Du kannst dich das ganze Jahr darauf vorbereiten. Ich habe Listen auf meinem Smartphone für sämtliche Leute, die ich so beschenken möchte oder muss. Äußert eine Person einen Wunsch, dann wird er aufgeschrieben. Kurz vor Weihnachten gehe ich diese Listen durch und muss mir nicht ewig darüber Gedanken machen, was ich der Person jetzt schenken kann. Damit verhindere ich sinnlose Verzweiflungskäufe, die ich nur tätige, um nicht mit leeren Händen dazustehen. Denn egal was du verschenkst und wie dieses Geschenk hergestellt wurde, auch das hippe Ökoprodukt ist eine Ressourcenverschwendung, wenn der/die Beschenkte mit diesem nichts anfangen kann und es dadurch nicht genutzt wird.